Sollt ich meinem Gott nicht singen?

Nachricht Osnabrück, 04. Juli 2026

Sommer-Predigtreihe zu Liedern von Paul Gerhardt

Seine Lieder begleiten mich schon fast mein ganzes Leben lang.

In der Grundschule mussten wir die zahlreichen Strophen von „Geh aus mein Herz“ auswendig lernen. Die Bilder von belaubten Bäumen und schönen Blumen, von singenden Vögeln und summenden Bienen – von Gottes schönem Garten auf Erden – haben sich mir tief eingeprägt.

Im Konfi-Unterricht kamen einzelne Strophen von Liedern wie „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“, „O Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Befiehl du deine Wege“ dazu. Damals habe ich ihre Tiefe und ihre tröstende Kraft noch nicht verstanden. Das kam erst später dazu.

Lieder, die das Leben begleiten
Aber von Anfang an sind seine Texte für mich eng verwoben mit den Melodien, die etwa Johann Crüger für sie komponiert hat. Sie sind für mich nicht ohne Musik zu denken. Seit ich als Jugendliche mit der Kantorei meines Heimatortes zum ersten Mal „Fröhlich soll mein Herze springen“ gesungen habe, wird ohne dieses Lied für mich nicht Weihnachten. Die Rede ist von Paul Gerhardt (1607–1676). Er ist neben Martin Luther der bekannteste und am häufigsten vertretene Liederdichter in unserem Gesangbuch.

Lieder, die von tiefem Glauben zeugen
Vielleicht berühren seine Lieder gerade deshalb so viele Menschen, weil sie aus einem Leben stammen, das alles andere als leicht war. Paul Gerhardt wuchs in einer Zeit auf, die vom Dreißigjährigen Krieg geprägt war. Er verlor früh seine Eltern, erlebte Zerstörung, Hunger und Unsicherheit. Später, als Pfarrer in Berlin, geriet er in politische und kirchliche Konflikte und verlor zeitweise sogar sein Amt. Auch persönlich traf ihn schweres Leid: Vier seiner fünf Kinder starben im frühen Alter, und schließlich auch seine Frau. Und doch – oder gerade deshalb – atmen seine Texte eine tiefe, erprobte Hoffnung. Seine Worte tragen bis heute, weil sie aus einem Herzen kommen,
das Leid und Trost gleichermaßen kennt. „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ Für Paul Gerhardt war das keine Frage.

Sommer-Predigtreihe
Im Jahr des 350. Todestages von Paul Gerhardt wollen wir uns bei unserer Sommer-Predigtreihe an den sechs Sonntagen der Sommerferien (4. Juli bis 9. August 2026) den Liedern von Paul Gerhardt widmen. Die Gottesdienste beginnen um 10.00 Uhr und finden wie gewohnt abwechselnd in der Bonnus- und der Martinskirche statt.

Seien Sie herzlich willkommen.

Kerstin Schaper-Herzberg